MITWESEN

Wie würden Figuren aussehen, die Mythen und Geschichten, Flora und Fauna, Natur und Kunst zeichnerisch verbinden? Es wären Wesen, die weder Fisch noch Vogel sind und doch auf eigene Weise beides zugleich. Sogar Tiere und Pflanzen erscheinen einig in zeichnerischen Gebilden.
Wie würden Sie diese Wesen nennen? Wo würden sie leben und wie würden ihre Laute klingen?

Manchmal scheint so ein Gedanke kurz im Blick in die Natur auf. Was wir in Formen der Umwelt – wie den Strukturen der Baumrinde, den Reflexionen auf der Seeoberfläche oder den Gebilden in den Wolken erkennen – ist auch was sich von uns in ihnen spiegelt: Geschichten, Erinnerungen, Gesichter, Mitwesen?
Ein solcher Blick ist kreativ: Er kann Grenzen von Gattungen und Kategorien sprengen und schafft Neues. In einem kreativen Blick entsteht eine Fiktion, die für Alexeir Diaz der Faun verkörpert.

FAUNISCHES MITEINANDER

Im Blick des Faun ist die Welt voll von Mitwesen. Als Mittler zwischen Gestaltetem und Natur, menschlichen und anderen Tieren, ist er mythische Figur des Waldes und der Kunst gleichermaßen. Faunische Gestalten bevölkern Geschichten um die Natur bereits seit der Antike, wie es Erzählungen von gehörten Waldgeistern, weinseligen Begleitern oder dem Hirtengott berichten. Nicht ohne gefährlichen Anklang achten sie selten die Regeln der Menschen und bewegen sich an Grenzen.
Diaz kreiert Wesen die dem Blick eines Faun auf seine Welt entsprungen sein könnten. Sein faunisches Miteinander ist jedoch kein bloßes Bild römisch-griechischer Mythen sondern verbinded verschiedene Mythologien zu seiner eigenen.

ALEXEIR DIAZ ALS KÜNSTERLISCHER GESCHICHTENERZÄHLER

Aufgewachsen in Havanna bringt der Maler, Zeichner und Bildhauer die Religionen und Geschichten seiner Kindheit zusammen mit mythischen Wesen. Er erschafft eigene Geschichten des Dazwischen von Mitwesen in einer belebten Natur erzählt. Der Faun ist eine Fiktion, die den Blick öffnen soll:
„Es ist der Versuch auf dem schmalen Grat zwischen Realem und Fantasie ein eigenes Universum zu schaffen, welches uns eine Perspektive auf einen Zwischenraum ermöglicht.“ (Alexeir Diaz Bravo)

Marburg, 31. Juli bis 31. August 2021

Mit freundlicher Unterstützung des Fachdienstes Kultur der Universitätsstadt Marburg

Fotos: Alexeir Diaz, Serie MITWESEN, Foto: Philipp Hennch

Kurator und Texter: Philipp Hennch (2021)